Heute fahre ich in Gegenrichtung der Vätternrunde. Im ersten Teil meide ich allerdings die etwas größere Strasse von Askersund bis Karlsborg und fahre durch das Hinterland.
Die Unterkunft ist grad mal 300 Meter vom „Depå Hjo“ entfernt, eine Verpflegungsstation bei der Vätternrunde, bei der es traditionellerweise Lasagne gibt.
Heute war die Landschaft etwas offener als in den beiden letzten Tagen, die Hügel waren flacher, die Äcker etwas länger. In der zweiten Hälfte wurden die Abstände zwischen den Anstiegen jedoch wieder kürzer, so dass es einige Höhenmeter zu bewältigen galt, insgesamt waren es aber doch weniger als in den beiden letzten Tagen.
Das Wetter ist schön, tagsüber vielleicht 20 bis 23 Grad und meist sonnig – ich bin froh, noch nicht wieder zurück zuhause bei 35 Grad zu sein.
In Askersund bin ich jetzt zum dritten Mal. Zum ersten Mal durchgefahren auf dem Weg zum Nordkap, zum zweiten Mal bei der Vätternrunde 2022 und jetzt. Der Ort hat ungefähr die Größe von Kandern, ist aber noch touristischer geprägt. Ich habe das Gefühl, es gibt hier alleine schon mehr Eisdielen als gestern Restaurants insgesamt – und gestern war der Ort sogar noch größer.
Nach der Ankunft habe ich zuerst mal das gemacht was der Titel sagt: „Bara bada bastu“ – so hieß der schwedische Beitrag zum diesjährigen Eurovision Song Contest — „Einfach in die Sauna gehen“. Hat gut getan.
Ich habe oft die Radroute „Seerosenweg“ gekreuzt. Hier hab ich mal endlich welche gesehen.Einfach so auf dem Feld – ohne ZaunAchtung ZiegenEin Feld mit KleeAskersund liegt am Alsen – dieser ist mit dem Vättern verbunden.Abend im HafenSchweden lieben alte Strassenkreuzer
Heute nähere ich mich wieder bekannteren Gegenden. Durch den Zielort sind wir schon mehrfach durchgekommen – Auf der Fahrt zum Nordkap 2018 und die Strecke der Vätternrunde führt seit 2021 auch durch Askersund.
Im großen und ganzen ähneln sich die Fahrtage gestern und heute schon, es sind die kleinen Unterschiede im Detail, die es immer wieder interessant machen. Gestern war die Strecke etwas länger, heute etwas weniger Höhenmeter. Gestern etwas mehr Äcker, heute mehr Wiesen. Gestern mehr Nadelbäume, heute mehr Laubbäume.
Beim Frühstück dachte ich schon, „warum haben die denn ein großes Buffet aufgebaut, ich bin doch hier gefühlt der einzige Gast“ dann kam ein komplettes Lehrerkollegium herein, die ein Seminar abhielten und sich davor mit einem gemeinsamen Frühstück stärkten.
Unterwegs traf ich auf zwei junge Niederländer, die mit ihrem Tandem von Stockholm bis Kopenhagen radeln. Die beiden nehmen die Planung etwas locker, und sind dann überrascht, dass gestern statt der geschätzten 80 km zum Schluss 110 km auf dem Tacho standen. Aber sie kommen voran und haben Spaß. Letztes Jahr sind sie den Rheinradweg von der Quelle bis nachhause gefahren.
Elch in freier WildbahnWeite FelderPreiselbeerenUnd PreiselbeerenAuch mal ein Golfplatz
Es war gut, dass ich mich dafür entschieden hatte, die ersten 30 Kilometer mit der Bahn abzukürzen. Zum einen, weil es doch noch 90 Kilometer waren, also keine zu kurze Etappe. Zum zweiten, weil ich keine Lust hatte, mich durch den Vorstadtdschungel zu schlagen, zum dritten, weil es auch so genug Höhenmeter waren, zum vierten, weil der böige Wind, der auf der Hinfahrt nach Stockholm eher von hinten bließ, jetzt eher von vorne kam, zum fünften weil viele der kleinen „Kreisstrassen“ nicht asphaltiert waren, und sechstens einfach so.
Heute waren viele unterwegs. Auf den größeren Straßen – und etwas überraschend heute auch auf den ganz kleinen, nicht asphaltierten – natürlich Autos, aber auch recht viele Rennradfahrer.
Wiesen und Wälder, Äcker und Felder – ähnlich wie auf der Hinfahrt, aber heute hatte ich das Gefühl, dass die Landschaft etwas offener war.
Die heutige Etappe ist die längste, mit über 120 km. Je nachdem wie ich drauf bin, könnte ich die Etappe etwas abkürzen und den Zug bis Södertälje nehmen – es wären dann knapp 90 km. Wenn ich früh ankomme, reicht es vielleicht noch für das kleine Lokalverkehrsmuseum.
Heute habe ich das schöne Sommerwetter ausgenutzt und bin in das älteste Freilichtmuseum Europas gegangen – Skansen.
Höchster freistehender Glockenturm Schwedens mit 40 Meter von 1730.Mühle aus VästergötlandSuchbild mit oder ohne LuchsWenn schon nicht in freier Wildbahn…Im 17. Jh waren Wildschweine in Schweden ausgestorben. Die jetzigen 300 Tausend sind Nachkommen von in den 1970ern aus Gehegen ausgebrochenen Schweinen. Um die Lebensmittelknappheit im 1. Weltkrieg zu lindern, bekamen die Stockholmer Land für SchrebergärtenDie beiden jungen Glasbläser hörten lautstark klassische Opern.
Das Hotel in dem ich gelandet bin ist ein riesiger Kasten. Vierstellige Zimmernummern, und die Anzahl der Tische im Frühstücksraum – äh, in der Frühstückshalle – ist dreistellig. Morgen geh ich früher, damit es sicht ganz so wie im Bienenstock anfühlt.
Die Stadt ist auch groß – mit Vororten liegt sie zwischen München und Hamburg.
Vor allem groß ist auch der Kontrast zum letzten Etappenort. Nach einem einsam gelegenen Gehöft, kilometerweit vom nächsten Weiler entfernt jetzt eine Millionenstadt.
Heute war ich zuerst im Strassenbahnmuseum, dann im nordischen Museum. Die ziehen ziemlich unterschiedliche Besucher an. Im ersten waren hauptsächlich schwedische Familien, im zweiten Touristen aus aller Welt. Es mag auch daran liegen, dass das Strassenbahnmuseum auf dem ehemaligen Gaswerksareal etwas außerhalb liegt.
Am Audioguide habe ich gemerkt, dass die Zeit auch in Museen voranschreitet. Früher hätte man sich für ein paar Euro ein Gerät ausgeliehen, mit viel Glück sogar auf Deutsch, heute lädt man sich im kostenlosen WLan eine App in 20 Sprachen herunter.
So, jetzt nach einer Zimtschnecke geht es weiter im Museum.
Um 1900 hatten die Strassenbahnfahrer noch kein Fahrerhaus und schützten sich so im WinterAm Anfang war die PferdebahnIm MuseumDer alte Gasspeicher wird zum KulturzentrumAusruhen an einem großen Platz mit Brunnen
Mal schauen, was ich diesmal in Stockholm anschauen werde – vielleicht besuche ich wieder den Skansen, anstelle von Vasamuseum und Abbamuseum vielleicht das nordische Museum oder das Straßenbahnmuseum.
In Norrmalm und Södermalm waren wir das letzte Mal gar nicht, auch nicht auf der kleinen Insel Riddarholm westlich der Altstadt.
Und wenn das Wetter zu ungemütlich ist, kann ich dieses Mal auf den Wellnessbereich im Hotel ausweichen.