Man merkt, dass ich weiter im Norden bin – die Einkaufsmöglichkeiten unterwegs werden weniger. Auf der vorherigen Etappe gab es keine, heute auch nicht, und morgen wird es ebenfalls nichts geben. In den jeweiligen Start- und Zielorten ist es aber kein Problem, da kann ich mich gut versorgen,
Der erste Meilenstein ist erreicht: Die Hälfte der Zeit. 3 Wochen liegen hinter mir, 3 Wochen noch vor mir.
Um mal das Wetter dieser 3 Wochen mit je einem Wort zu charakterisieren: Herbst. Frühling. Sommer.
Die erste Woche war kühl und regnerisch, gut, dass ich da noch nicht fahren musste, die zweite noch etwas verhalten, aber schon besser und die dritte Sommer pur. Letzte Nacht hat es ordentlich geregnet, für die nächsten Tage ist etwas kühleres und wechselhafteres Wetter angesagt, da könnte vielleicht „Nordischer Sommer“ passen.
Hinter mir liegen 1300 Kilometer und 9300 Höhenmeter. Die Hälfte habe ich da noch nicht ganz, dafür muss ich noch eineinhalb Tage fahren.
Am Nachmittag gab es noch einige Gewitter, ich habe mir den Tag also ganz gemütlich gemacht und war froh nicht unterwegs zu sein.
Nach 6 Fahrtagen habe ich mir wieder einen Ruhetag verdient. Åsele ist etwas kleiner als Rümmingen, hat aber deutlich mehr Infrastruktur.
Wenn ich ein paar Wochen später vorbeikommen würde, wäre hier einiges los – am dritten Wochenende im Juli findet hier der „Åsele marknad“ statt, ein Volksfest mit über 1000 Marktständen und ungefähr 150000 Besuchern.
Schönes warmes Wetter und in der zweiten Hälfte oft Rückenwind – so passts! Ich war oft in der Nähe des Flusses, die Badestelle bei der Mittagspause war mir jedoch etwas zu kalt um ganz reinzuspringen, ein erfrischendes Fussbad war mir genug.
Die Straße war zwar ziemlich groß, aber nur schwach befahren. Längere ebene Stücke und nur moderate Steigungen, das liess sich gut fahren.
Unterwegs traf ich einen Radler aus Münster. Schon 70, vollbepackt wie ein Lastesel und auf dem Rückweg vom Nordkap. In Norwegen hatte er 2 Wochen schlechtes Wetter. Jetzt ist er wieder auf dem Rückweg, aber ob er nach Stockholm oder Göteborg fährt, weiss er noch nicht.
Ich bin wohl der einzige der die Tour durchgeplant hat, alle die ich traf, wussten am Morgen noch nicht, wo sie am Abend sein würden. Ich werde morgen auch hier in Åsele sein, ein Ruhetag, den insbesondere mein Hintern gebrauchen kann.
ÅngermanälvRastplatzMit BadestelleIn Lappland geht’s auch ohne Motor
Der heutige Tag ist sehr kurz – keine 70 km – und geht mehr oder weniger immer dem Ångermanälven entlang. Der Fluss ist der wasserreichste in Schweden und wird immer wieder aufgestaut. Zwischen Junsele und Åsele gibt es 6 Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von ca. 320 MW. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Birsfelden liefert ungefähr 100 MW.
Ein Nachtrag zu gestern – ich kam noch mit einem Radfahrer aus Leipzig ins Gespräch. Seine Frau wollte nicht mit, also hat er sich allein auf den Weg gemacht. Mit dem VW Bus und Rad bis Åsele, dort hat er das Auto für zwei Wochen bei einem Freund abgestellt und ist mit dem Rad ans Nordkap. Jetzt ist er wieder auf dem Rückweg und macht da und dort Station, bis er in einer Woche wieder zuhause ist. Bei einem Bier habe ich ihm die Vättermrunde schmackhaft gemacht, ich glaube, er wird sie nächstes Jahr machen und seine Frau wird ihn anfeuern.
Die ersten paar Kilometer waren neben einer großen Straße, nicht so schön, passend dazu gab es ein paar Tropfen. Dann bog ich ab auf eine etwas weniger befahrene Strasse, es war bedeckt. Nach dem Mittagessen bog ich in eine noch kleinere Straße ein -es wurde sonnig. Und dann noch eine kleinere Straße, bei der nur alle 10 Minuten ein Auto kam, und es wurde noch sonniger und wärmer. Heute ging die Verkehrsmenge und das Wetter irgendwie Hand in Hand. 😀
Zuerst fuhr ich am aufgestauten Faxälven entlang, viele Wiesen und Felder und immer wieder Häuser. Die Dörfer sind hier eher Streusiedlungen wie Weißenbach oder Fuchsbach.
Dann mehr im Wald und wieder an Streusiedlungen vorbei. Auch wenn später kaum Verkehr war, ein Gefühl von Einsamkeit kam nicht auf.
Ein Elch, der am Straßenrand etwas mampfte, und ein Zug, der ausschließlich Holz geladen hatte, waren schneller wieder verschwunden, als ich ein Foto machen konnte.
Am Campingplatz dann eine angenehme Überraschung: Nachdem ich mit der Frau an der Rezeption ein paar Worte gewechselt hatte, was für eine Tour ich mache, woher ich komme, wohin ich noch fahren will etc, meinte sie, komm, ich lade dich ein, du musst für den Platz heute nichts bezahlen. Hat mich sehr gefreut!
Der FaxälvenAm FaxälvenAm FaxälvenWe rechnet denn damit!Kleiner MoorseeAm Kilforsen Wasserkraftwerk, zweitgrößtes in SchwedenWeit und breit kein VerkehrKleiner Wildbach
Die Landschaft heute ist etwas freier. Ich fahre zuerst im Tal des Faxälven bis Ramsele, quere dann zwei Bergrücken um dann im Tal des Ångermanälven bis nach Junsele zu fahren. Beim Campingplatz ist ein kleiner Tierpark, der allerdings nur von 10 bis 16 Uhr offen ist – ich glaube nicht, dass es mir nach 109 km noch reicht ihn zu besuchen.
Das Wetter heute morgen war zum Radfahren eigentlich ganz gut. Etwas bewölkt und nicht so heiß wie gestern. Nach der Mittagspause zog es sich aber zu, es wurde frisch, es gab einige Regenschauer und ich hatte teils kräftigen Gegenwind. Dazu noch viel Verkehr auf der kompletten Strecke – hm, war nicht so mein Fall. Die Fahrt buch ich mal ab unter “ immerhin bin ich ein Stück weiter“.
Was die Leute hier in der Gegend so machen war nicht zu übersehen: Mich überholten Dutzendweise leere Holzlaster auf dem Weg in die Wälder, und mir kamen Dutzendweise voll beladenen Holzlaster auf dem Weg zurück nach Sundsvall entgegen.
Das Ziel hat mich aber entschädigt. Der Campingplatz liegt idyllisch an einem kleinen See mit schönem Badestrand. Da ist noch viel Betrieb, die Sonne brutzelt und ich war vorhin auch im Wasser und habe mich erfrischt. Vielleicht gehe ich ja nachher noch mal rein – Sonnenuntergang ist ja erst um 23:08
Am Strand ist Betrieb Der Platz liegt direkt am See
Die ersten 25 km entlang der Küste sind noch recht dicht besiedelt, dann tauche ich wieder in die Wälder ein, um erst kurz vor dem Ziel wieder daraus aufzutauchen. Ich glaube aber nicht, dass ich besonders einsam sein werde – so klein ist die Straße dann doch wieder nicht.
Heute war wirklich Hochsommer. Schon am Morgen 20 Grad, tagsüber deutlich mehr, und in der Sonne die vom wolkenlosen Himmel schien war es noch heißer. Laut Wetterbericht sollen es heute 29 Grad gewesen sein.
Ich konzentrierte mich darauf, mich in der Mittagshitze nicht zu sehr anzustrengen und fuhr recht langsam, war aber doch vor 17 Uhr am Ziel.
Historischer Hochofen in Moviken von 1902Schön zum sitzen, aber in der Sonne zu heiß Nicht asphaltiert über viele km … aber oft tadellos glatt und gut zum fahrenWildbachSee kurz vor Sundsvall Brunnen in Sundsvall