Alle Wege führen nach Stockholm – und so ist es nicht verwunderlich, dass die Route ähnlich wie vor 9 Jahren ist. Im ersten Teilstück bis Tumba fahre ich praktisch den gleichen Weg wie damals, danach komme ich durch andere Vororte, da diesmal meine Unterkunft nicht direkt in der Altstadt liegt, sondern auf Södermalm,
Der Tag begann mit einem ordentlichen böigen Wind und mäßigem Verkehr, nach Nyköping war es dann umgekehrt – der Wind war mäßig und der Verkehr ordentlich. Mit anderen Worten: es ging noch, aber gestern war es schon schöner zum Fahren.
Als ich durch Nyköping fuhr, kam mir im ersten Moment nicht so viel bekannt vor, bis ich über die Brücke fuhr – da war doch vor 9 Jahren ein Restaurant in dem wir gegessen hatten.
Trosa ist ein netter kleiner Ferienort mit Gästehafen und Festival ( leider erst ab morgen), kleinen Lädenund vielen gut gefüllten Restaurants und Cafés. In einem davon hätte ich für ein erlesenes Rinderfilet so viel bezahlt wie ich alt bin, in einem anderen war auf der deutschen Speisekarte noch nicht mal der klitzekleinste Rechtschreibfehler. Der Ort passt sich halt an sein Klientel an.
Wieder weite Felder In NyköpingVor 9 Jahren war hier ein Restaurant In Nyköping In TrosaIn TrosaInteressanter Name für mein Hotelzimmer: Schwarz wie die SündeOk, passt dochKleine Gasse in Trosa
Ich komme allmählich in den Einzugsbereich von Stockholm. In der Gegend waren wir schon 2016 unterwegs, allerdings auf anderen Strecken. Nyköping – so groß wie Rheinfelden – war damals ein Etappenort, diesmal fahre ich nur durch. Trosa ist ein beliebtes Ziel für Touristen, und die Nähe zu Stockholm schlägt sich auch in der Vielfalt und den Preisen der Restaurants nieder.
In der Nacht hatte es viel geregnet, am Morgen war es dann wieder trocken und sonnig. Bis auf einen kleinen Schauer blieb mir die Sonne und ein frischer Wind (meistens von hinten) auch treu – mit anderen Worten: wieder schön zu fahren.
Schatten für die SchafeDie Bucht ist hier schmaler als der RheinDie Fähre kommtSie hangelt sich am Seil auf die andere SeiteStrassenarbeit in voller BreiteHeuNach der zweiten Fähre
Um zum Ziel des heutigen Tages zu kommen, muss ich zwei tief ins Land reichende Buchten mit Fähren queren – zuerst Slätbaken an deren Ende Söderköping liegt und dann Bråviken, an deren Ende Norrköping liegt. Die Buchten sind lang und schmal, die Fahrt dauert jeweils nur wenige Minuten.
Die Unterkunft liegt am Ostrand eines bewaldeten Bergrückens, dem Kolmården. Am Westrand, 12 km entfernt, liegt der größte Zoo Nordeuropas mit 250 Hektar und 720000 Besuchern pro Jahr.
Heute war es fast den ganzen Tag bedeckt, nur kurz vor dem Ziel kam die Sonne etwas heraus. Aber wichtig war: Es blieb trocken.
Der Tag war anstrengender als die letzten beiden – das lag natürlich an der mit 108 km deutlich längeren Strecke, vor allem aber an den Anstiegen. Es war ein ständiges auf und ab, mal nur 10 m hoch und wieder 5 m runter, gleich drauf wieder 8 m hoch und das ganze auf weniger als 100 Metern. In der zweiten Hälfte wurden die Abstände zwischen den Anstiegen etwas größer, aber so richtig eben war es eigentlich nie. Der längste Einzelanstieg war weniger als 50 Meter, in der Summe kamen aber gut über 1000 Höhenmeter zusammen.
Was das Fahren aber angenehm machte waren die kleinen bis kleinsten Strassen mit wenig bis gar kein Verkehr. Spektakulär war die Etappe wirklich nicht, aber doch recht abwechslungsreich. Wälder und Felder, kleine Weiler und einzelne Häuser, Kühe auf der Weide und Pferde auf der Koppel.
Auf und niederImmer wiederFelder vorUnd nach der ErnteIm Hintergrund ein kleiner See
Und auch im Vordergrund
Im kleinen Hafen von Valdemarsvik gibt es einen „Holzbootverein“
Heute Morgen war es etwas weniger sonnig, aber deutlich windiger. Das Wetter war aber trotzdem noch sehr schön zum Fahren. Leider erwischte mich vor dem Mittag einer der angekündigten Schauer und verfolgte mich bis kurz vor Bullerbü. Dann gewann endlich die Sonne wieder die Oberhand und es blieb schön bis zum Scluss.
Am Ortsschild Lönneberga hielt vor mir ein polnisches Wohnmobil, ein kleiner Junge stieg aus, stellte sich ans Schild und seine Mutter machte ein Foto. Ich habe aber nicht gefragt, ob das jetzt Michel aus Lönneberga war
Je näher ich zu Bullerbü kam, desto mehr deutsche Kennzeichen sah ich. In Bullerbü selbst waren bestimmt zwei Drittel Deutsche und alles war auf deutsch und schwedisch angeschrieben, praktisch nichts auf englisch.
Astrid Lindgrens Vater ist auf dem Südhof in Sevedstorp (so heißt Bullerbü eigentlich) aufgewachsen. Die Höfe sind ziemlich klein, ich hätte sie deutlich größer geschätzt. Heute sind es Ferienhäuser in Privatbesitz
Heute gab es viele Waldwege Martin aus Lönneberga In BullerbüCafé in der Scheune des SüdhofesDie Scheune von außen Von links nach rechts: Nordhof, Mittelhof, SüdhofDas einzige Schild welches nicht auch auf deutsch war.Hat Lasse an diesem See den Nöck gespielt?Bullerbü in klein auf dem zentralen Platz in Vimmerby
Heute komme ich durch die Landschaften von Astrid Lindgren: Ich plane in Lönneberga zu vespern (Das Restaurant hat leider am Wochenende geschlossen), dafür hat das Café in Bullerbü wahrscheinlich auf. Im Freizeitpark „Astrid Lindgrens Welt“ am Ziel könnte ich noch auf Pippi Langstrumpf, Emil aus Lönneberga oder Ronja Räubertochter treffen – der Park ist aber eher ideal für Familien mit jüngeren Kindern, also werde ich wohl stattdessen ein Bier der im Ort ansässigen Åbro Brauerei genießen.
Start und Ziel hätten nicht unterschiedlicher sein können. Das ist mir schon vor 11 Jahren aufgefallen und es hat sich wieder bestätigt. Växjö ist zwar deutlich größer als Vetlanda, dieses wäre mit 13000 Einwohnern aber doch groß genug für ein bisschen Atmosphäre. Gestern lagen Dutzende Restaurants und Cafés in der Fußgängerzone dicht an dicht, brechend voll ,so dass ich froh war, dass das Abendessen im Hotel inklusive war. Betrieb auf den Straßen bis deutlich nach Mitternacht. Växjö ist eine quirlige lebendige Stadt.
Heute tote Hose. Eine kleine Industriestadt mitten im Nirgendwo. Die wenigen Restaurants an denen ich vorbei gekommen bin gähnend leer oder gleich ganz geschlossen. Ich bin der Empfehlung des Hotels gefolgt und sitze jetzt in „einem der ältesten Restaurants der Stadt“ (eröffnet 1997 ah ja, so so) von den 30 Tischen ist noch ein anderer besetzt – wie können die hier überleben?
Und dazwischen? Sehr schöner Fahrtag im stetigen auf und ab. Mal kleine Straßen, mal Feldwege, hat mich oft an den Schwarzwald erinnert. Genau die richtige Temperatur zum Fahren. Morgens in Växjö trugen die wenigen die schon unterwegs waren kurze Hosen in Erwartung des sonnigen Tages. Am Nachmittag zog es etwas zu und es braute sich über Vetlanda ein Gewitter zusammen. Das verzog sich aber ohne einen Tropfen zu hinterlassen und jetzt sitze ich draussen, genieße ein Bier und warte auf meinen Lachs mit Gemüse und Herzoginkartoffeln.
Nachtrag zu der Frage oben nachdem das Essen kam: Ich weiss es nicht.