Meine beiden ersten Etappen hielten sich noch an die üblichen Vorschläge – sowohl Dobel als auch Forbach werden normalerweise als Etappenziele gewählt. Bei der dritten Etappe ist der Schluss meistens in Unterstmatt, ich habe jedoch den Mummelsee gewählt. Vermutlich wird mir der Trubel am Mummelsee zu viel sein – aber dadurch ist die Etappe am vierten Tag nicht ganz so lang. Zuerst geht es bergauf, bis mit Seekopf und Badener Höhe die ersten 1000-er der Tour erreicht sind. Danach bleibt der Weg immer im Bereich über 800 Höhenmeter und erreicht mit der Hornisgrinde den höchsten Punkt des Nordschwarzwaldes. Von der Streckenlänge her gehört dieser Tag eher zu den kürzeren, dafür gibt es aber besonders viele Höhenmeter im Anstieg.
Das war die ausführliche und vollständige Beschreibung des heutigen Tages.
Ok,ok. Ich bin ja nicht so – ein bisschen gibt es noch zu berichten.
Am Vormittag war ich ganz allein und abwechslungsreich unterwegs. Mal leichter Regen, mal stärkerer Regen, mal Regen von vorn, mal Regen von oben. ?
Der Nachmittag war noch trüber als der Vormittag, dafür gab es zum Glück nur noch wenige kurze Schauer. Ich traf auch einige Westwegwanderer, die ich am Vortag schon gesehen hatte. Ein schweigsamer junger Mann, dem kaum mehr als „Challo“ zu entlocken war – vielleicht ist er ja morgen gesprächiger. Und ein Ehepaar aus Stuttgart, die auch nach Basel wollen, und ebenso wie ich im Hotel Linde in Dobel übernachtet hatten. Ihre nächsten Etappenorte sind fast dieselben – es könnte also gut sein, dass wir uns in den nächsten Tagen noch häufiger über den Weg laufen.
Kurz vor Forbach wurde das Wetter dann besser, die Sonne liess sich sogar für einige Minuten blicken, und das Brausen des Verkehrs ersetzte das Rauschen des Waldes.
„Regentor Dobel“ wäre passender gewesenDie beste Aussicht des Nachmittags an der DraberghütteAm Portal in ForbachDie gedeckte Holzbrücke in Forbach
Der Weg führt gemächlich aufwärts bis zum Hohloh, knapp unter 1000 Metern. Dann aber wird in wenigen Kilometern der ganze Anstieg der letzten beiden Tage wieder zunichte gemacht – der Weg führt am Latschigfelsen vorbei hinunter ins Murgtal.
Der Wetterbericht für den ersten Tag sah ja nicht besonders gut aus.. aber es wurde dann doch besser. Manchmal kam die Sonne raus, es gab nur einen kleinen leichten Schauer kurz vor Neuenbürg, und manchmal war es sogar windstill.
In anderen Berichten wird diese erste Etappe als langweilig beschrieben, aber ich fand es schön zu sehen, wie man sich allmählich von den Buchenwäldern, Nagold, Enz und Verkehrslärm verabschiedet, und zu rauschenden Tannenwäldern und freien Hochflächen hinwandert.
An der Nagold in Pforzheimbeim Gasthaus Kupferhammer beginnen alle drei großen HöhenwegeDas erste der 10 Westweg-PortaleBlick von der Schwanner WarteDie Volzemer Steine
Irgendwie passt dieser Zug immer, sobald es früh morgens nach Norden oder Osten geht: Der IC von Basel nach München mit Ankunft in Pforzheim kurz vor halb neun. Danach geht es zuerst mal gut 2 Kilometer durch die Stadt bis zum offiziellen Startpunkt des Westweges beim Gasthaus Kupferhammer. In der ersten Hälfte überwindet der Weg ein paar Hügel, quert die Nagold und führt entlang der Enz bis Neuenbürg – Danach beginnt die eigentliche Steigung. Am frühen Nachmittag lohnt noch ein Blick vom Aussichtsturm an der Schwanner Warte bei Straubenhardt, bevor der Weg in den Schwarzwald eintaucht. Bis zum Heuberg geht es spürbar bergauf, danach bis zum Ziel in Dobel nur noch mit geringen Steigungen.
Wenn man sich den gesamten Westweg anschaut, wird klar, dass die höchsten Berge, die größten Anstiege und Abstiege eigentlich nicht Feldberg, Belchen oder Hornisgrinde sind – sondern die „umgekehrten Berge“, also die Täler. Das Murgtal bei Forbach, das Kinzigtal bei Hausach, und das Kandertal ab Kandern.
Bald geht es los … Anfang Oktober in 11 Etappen von Pforzheim bis nach Hause. Die Gesamtstrecke sind so um die 290 Kilometer und je nachdem wie man rechnet knapp 8000 Höhenmeter. Macht also für eine durchschnittliche Etappe ca. 26 km und 700 Hm – wobei die Längen und Anstiege ziemlich variieren: von 20 km bis 34 km, und von 400 Hm bis 1250 Hm
Nachdem wir eine herrlich ruhige Nacht auf dem Grand Ballon hatten konnten wir die klare Sicht beim Starten in den Tag genießen. Das einrollen in den letzten Tag verlief so friedlich, dass wir fast nicht weg wollten.
Der Petit Ballon ist auch noch einmal ein eher unspektakulärer Berg aber wieder eine grandiose Aussicht von da „oben“. Die Abfahrt allerdings nicht ganz so einfach, da es mal wieder ziemlich steil nach unten ging. Schade, denn das ist so keine Belohnung für das Rauffahren. Nach ein paar weiteren Höhenmetern und Bodenwellen hatten wir es fast geschafft. Die Berge lagen nun hinter uns und so haben wir noch eine letzte Mittagspause in einer kleinen Auberge gehabt. Schaut mal genau das Bild mit dem Panache?an. Und nach dieser Stärkung ging es dann runter in den Breisgau wo uns eine Hitze empfang…
Ja wenn es die ganzen Tage bei uns so eine Temperatur gehabt hätte…..dann hätten wir wohl abgebrochen aber so war es immer angenehm in den Bergen und wir konnten gut fahren.
In Breisach haben wir noch einen kurzen Eisstopp mit Johannisbeerschorle eingelegt bevor es dann über den Tuniberg nach Freiburg ging. Puh wirklich was für eine Affenhitze….und der krönende Abschluss war dann noch, dass ich von einer Biene gestochen worden bin…8km vor Schluss und das während dem Radeln. Nun es brennt immer noch und ist geschwollen. Aber ich will nicht jammern…. schließlich haben wir ganz anderes durchgestanden ?.
Zum Schluss mussten wir zugeben, dies Unterfangen war eines der härtesten was wir mit dem Rad unternommen haben und trotzdem es war grandios, hart, schön, erlebnisreich und eine enorme Erfahrung was den Willen aber vor allem unsere wunderschöne Gegend angeht. Die ist nämlich wirklich toll und man muss nicht immer weit fahren um etwas zu entdecken.
Auch wenn wir vom Grand Ballon unser Ziel fast schon sehen können, geht es nicht direkt dorthin – denn es fehlt uns ja noch der letzte Belchen, der Petit Ballon. Danach noch zwei kleine Pässe (Col du Firstplan und Col du Hundsplan) und die Höhenmeter sind endlich geschafft! Über Breisach geht es dann durch die Rheinebene wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Martinstor in Freiburg.
Das findet ihr bestimmt komisch, dass wir nach 4 Tagen von einem Urlaubstag schreiben. Aber nachdem wir nun, angekommen am Grand Ballon, bei einem Bierchen den Tag Revue passieren lassen, kam uns beiden sofort in den Sinn, dass heute der erste Urlaubstag war. Nicht falsch verstehen, aber die letzten Tage waren eher sportlich und nicht so sehr mit Urlaubsfeeling verbunden.
Den Tag könnte man heute mit Auf, ab, auf ab und auf beschreiben aber das wird diesem Tag nicht gerecht. Wir hatten unbeschreiblich schöne Ausblicke und Strecken heute. Bis auf zugegeben der Weg zum Grand Ballon den wir kennen und der immer schlechter wird….ausgewaschen mit lösen Kieselsteinen und grossen Löchern…kein Vergnügen. Aber dafür wird man mit einem unglaublichen Panorama belohnt und wir dürfen es heute richtig genießen da wir hier übernachten.
Erwähnenswert ist noch der Col de Page…eine kleine Waldstrasse führt hinauf, wenig befahren aber unglaublich friedlich. Dort kamen wir mit einem sehr netten französischen Ehepaar ins plaudern. Er konnte ein wenig Englisch und so haben wir über die tollen Möglichkeiten die die Gegend zu bieten hat gesprochen, da sie auch sehr begeisterte Radfahrer sind.
Und zu einem guten Urlaubstag gehört auch eine nette Rast zwischendurch. Die haben wir kurz vor dem letzten Anstieg zum Grand Ballon gehabt…was sehr putzig war eine kleine Runde Elsässer Männer (nicht mehr taufrisch) beim Bier/ Wein und das Mittag um 2:00. Die haben aber vermutlich schon früher angefangen…da ist die Welt echt noch in Ordnung.
Morgen nun noch der kleine Ballon und dann geht es auch schon zurück nach Freiburg.